Geschrieben von
Jan Scharnofske

Die unsichere Zukunft der Web-Browser

Veröffentlicht am 
5. Februar 2021
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Im Januar 2020 wurde der erste Microsoft Edge Browser veröffentlicht, der Google‘s Chromium Engine nutzt. Damit reiht sich ein weiterer populärer Web-Browser unter Google ein. Zusammen mit Chrome, Samsung Internet und Opera, nutzt nun auch Microsoft Edge Google‘s Browser Engine. Laut Statcounter Nutzen damit 70% der Nutzer einen Browser der mit Chromium läuft.

Was hält die Zukunft der Web-Browser für Entwickler und Nutzer bereit? Sollten sich Experten für mehr Diversität einsetzen? Ist Google‘s Dominanz überhaupt ein Problem?

Wie problematisch wäre ein Browser-Monopol?

Eine Browser-Monokultur wird schon seit den frühen 2000er Jahren gefürchtet, als der Internet Explorer der dominanteste Browser war. Wie in den meisten Fällen sind Sorgen vor einem Monopol auch durchaus berechtigt.

In der Branche der Internet-Browser ist das Argument, dass eine zu einseitige Browser-Kultur dazu führt, dass Entwickler aufhören mit anderen, nicht dominanten Browsern, zu arbeiten. Das würde dazu führen, dass die meisten Produkte von Dritten, nur noch mit einem einzigen Browser zu nutzen sind. Die ganze Branche rund um die Browser herum wäre so auf einen einzigen Browser fixiert; das Monopol des dominanten Browsers wäre beinahe unumstößlich.

Doch die Debatte ist keinesfalls einseitig, es gibt ebenso Stimmen, die ein Internet-Browser-Monopol bevorzugen würden. Auch wenn solch ein Monopol die eben angeführten Nachteile mit sich bringt, gibt es gleichzeitig Chancen. So könnten sich Entwickler in einer Browser-Monokultur voll und ganz auf Innovation konzentrieren. Bedenken um die Eigenarten anderer Browser und möglicherweise das Anpassen an diese, würden zu Sorgen der Vergangenheit werden.

Eine verlockende Sichtweise, doch man sollte nicht aus den Augen verlieren was auf dem Spiel steht. Wer 100% der Browser kontrolliert, hat eine enorme Entscheidungskraft über das ganze Internet. Selbst mit einem wohlwollenden und optimistischen Blick auf solche eine Zukunft besteht eine Sorge. Was passiert, wenn dem dominanten Browser-Entwickler ein schwerer Fehler unterläuft? Ein Chaosszenario, welches weite Teile des Internets beeinflussen könnte; auch in der gegenwärtigen Situation in der „nur“ 70% der Nutzer einen Browser nutzen, der mit Googles Engine läuft.

Chancen und Schwierigkeiten bei einer Chromium Vorherrschaft

Was wären die konkreten Vorteile, was die Nachteile wenn sich der Trend fortsetzt und Google in Zukunft ein Monopol über Webbrowser hat? Ein Teil von Googles Marke ist es, das Internet für alle zugänglich zu machen. Dafür investiert Google in Barrierefreiheit. Zusammen mit Microsoft, die die Chromium Engine für ihre Edge Browser benutzen, könnte die Zukunft des Netzes deutlich zugänglicher sein und das nicht nur über Google Chrome.

Außerdem könnte das Surfen Nutzerfreundlicher werden. Bereits jetzt ist die Chromium Engine auf die Nutzung progressiver Applikationen fokussiert. Diese Entwicklung könnte durch den oben genannten Effekt noch verstärkt werden; in einer Browser-Monokultur könnten sich mehr Entwickler auf Innovationen konzentrieren.

Obwohl Google bisher die Unterstützung vieler Entwickler hatte, könnte es Probleme geben, wenn Google die Browser-Welt dominiert. Bisher schien Google bereits einige Male einer Diskussion über Web-Standards auszuweichen und durch Googles gegenwärtige Größe, ist es dem Unternehmen bereits möglich Web-Standards zu diktieren. In einer Monopolstellung wäre das noch stärker der Fall. Ohne Rücksprache mit der Community könnte es so zu problematischen Änderungen kommen.

Außerdem kann das Thema Datenschutz für dieses Szenario nicht ignoriert werden. Selbst wenn zur Zeit nicht alle Chromium-Browser Nutzerdaten an Google weitergeben, gibt es keine Garantie, dass sich das nicht mit einer Monopolstellung ändern würde. Ohne echte Mitstreiter könnte sich Google schlichtweg mehr erlauben, so könnte auch das drängeln zu Downloads von bestimmten Plugins aggressiver werden.

Wie können wir eine diverse Browser-Kultur erhalten?

Auch wenn die Tech-Giganten Google, Microsoft, Apple und Co. oft übermächtig scheinen, können Entwickler, Designer und die ganze Tech-Gemeinde die Entwicklungen des Internets mitbestimmen. Wir teilen unsere Sichtweise mit der Öffentlichkeit und informieren sie. Aber auch der direkte Kontakt mit den Tech-Giganten kann funktionieren, wie einige folgende Beispiele zeigen.

Das Chrome Team fügte im Jahr 2019 das html-Tag „<std-toast>“ hinzu, ein Tag für Benachrichtigungen, die von der unteren Seite des Bildschirms nach oben springen. Ja, auch fertige Toasts springen von unten nach oben, dennoch waren viele der Meinung, dass das Tag einen eindeutigeren Namen benötigt.

Zum einen zeigt Googles Verhalten in diesem Fall, dass sie die Macht haben Entscheidungen ohne die Community zu treffen. Zum andere haben andere Browser-Engines das Tag aufgrund der Stimmen aus der Community nicht integriert.

Mozilla und Apple scheinen auf eine Zukunft hinzuarbeiten, in der die Privatsphären der Nutzer stärker respektiert werden. Der Schlüssel zur Realisation dieser Vision ist die Monetarisierung im digitalen Sektor. Wenn diese nicht der Sammlung von Nutzerdaten basieren würde, könnten die Privatsphären der Nutzer leichter geschützt werden, ohne dem geschäftlichen Teil des Internets massiv zu schaden. All das zeigt, dass Browser-Entwickler und Community eine Chance haben, dass Web nach ihren Vorstellungen zu verändern.

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