Geschrieben von
Jan Scharnofske

Spielerisch gegen die Zoom Fatigue

Veröffentlicht am 
12. April 2021
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Seit den Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie sind wir oft gezwungen an Video-Calls teilzunehmen. Egal ob Kundengespräche, Team-Meetings oder sogar Unterricht; für das kontaktlose zusammenkommen sind Programme wie Zoom unerlässlich geworden. Dabei klagen viele über dauernde Video-Calls und wie anstrengend sie im Vergleich zu anderen Gesprächssituationen für uns sind. Einige innovative Köpfe versuchen sich deshalb an einem spielerischen Gegenmittel gegen die sogenannte Zoom Fatigue.

Woher kommt die Zoom Fatigue?

Aber warum sind Video-Calls so ermüdend? Im Gegensatz zu Telefonaten ohne Bildübertragung besteht die Möglichkeit nonverbal zu kommunizieren. Die Technologie ermöglicht es, ein normales Gespräch mit seinen verbalen und nonverbalen Kanälen besser zu simulieren. Doch neuste Forschungen identifizieren genau diesen Aspekt der nonverbalen Kommunikation als Grund für die Zoom Fatigue.

Kommunikationswissenschaftler Professor Jeremy Bailenson von der Stanford Universität zählt in einem neuen Artikel zahlreiche Probleme mit der nonverbalen Kommunikation in Video-Meetings auf. Dabei geht es nicht unbedingt ums gestikulieren, sondern auch um Blicke.

Während das Senden und Interpretieren von nonverbalen Signalen in Face-to-Face-Situationen natürlich abläuft, sind die Prozesse in Video-Calls komplizierter. Die Forscher schreiben dem nonverbalen Kanal mehr kognitiven Aufwand zu als in normalen Gesprächen. Ständig muss überlegt werden, ob auch wirklich deutlich wahrgenommen werden kann. Aus einem leichten, zustimmenden Kopfnicken muss im Zoom-Meeting manchmal ein deutlicher Daumen nach oben werden.

Auch die Interpretation der Signale ist schwieriger, besonders die Verarbeitung von Blicken erzeugt Stress. Da sich manche Blicke auf das nicht sichtbare Umfeld beziehen, wenn zum Beispiel die Katze ins Homeoffice kommt, sind sie rätselhaft für andere.

Doch auch wenn alle Blicke auf dem Bildschirm bleiben, kann das stressig für alle Teilnehmer sein. Denn wo sonst nur der Sprecher die Blicke seiner Zuhörer auf sich hat, erzeugen Video-Meetings eine Situation in dem jeder von jedem beobachtet wird. Viele Menschen spannt dieses Gefühl beobachtet zu werden unangenehm an.

Online Meetings im wilden Westen

Mit dem Ziel den Stress aus den virtuellen Konferenzen zu reduzieren schlägt Jeremy Bailenson vor allem vor, die Nutzung der Bildübertragungsfunktion zu minimieren. Einige Unternehmen testen einer eher ausgefallenen Alternative: Meetings in Online-Videospielen. Ob die Maßnahme speziell als Gegenmittel gegen die Zoom Fatigue entwickelt wurde, oder gar auf dem Prinzip der Gamification basiert, sei mal dahingestellt. Eins ist jedoch sicher, es lockert den Arbeitsalltag im Homeoffice auf.

So berichtet zum Beispiel die Autorin Viviane Schwarz von Team-Meetings in dem Western-Spiel Red Dead Redemption 2. Besonders positiv aufgefallen sei ihr dabei die gemütliche Atmosphäre am Lagerfeuer mit Wolfsgeheul in der Ferne. Klar, da kommt wohl kaum ein Zoom-Meeting gegen an. Auch die spielerische Abwechslung durch andere Spieler, welche gegebenenfalls die Gruppendiskussion mit Revolvern im Anschlag unterbrechen, sei ab und an sehr willkommen.

Natürlich gibt es kleine (witzige) Probleme mit der Methode. Dass Red Dead Redemption 2 nicht als virtueller Konferenzraum angedacht war, fällt wohl spätestens auf, wenn die eigene Spielfigur versehentlich die des Kollegen stranguliert; der Knopf um sich zu setzen und um den nächstgelegenen Spieler zu würgen ist nämlich der selbe.

Eine Auflockerung mit Zukunft?

Auch bevor Zoom Fatigue ein Begriff war erforschten einige Unternehmen die Möglichkeiten von Videospielen für geschäftliche Treffen. Das norwegische Unternehmen Heisholt besitzt zum Beispiel seit 2016 ein Büro auf dem größten norwegischen Minecraft-Server.

Der Gründer, Erik Heisholt, ist überzeugt von der Idee. Minecraft biete innovative Möglichkeiten für den Austausch zwischen kreativen Köpfen. Warum auch nicht? Manche Konzepte lassen sich mit Sicherheit besser mit Klötzchen zeigen, als mit einem Whiteboard.

Hingegen kommt ein Unternehmen in der Videospielnation Japan zu einem Ergebnis was so ernüchternd wie erwartet ist: Meetings in Videospielen sind angenehm locker, aber die Spiele lenken auch ab. Das Unternehmen testete die Möglichkeiten für Team-Meetings in der neusten Ausführung der Animal-Crossing Reihe. Während des Meetings mit den Kollegen virtuelle Fische zu angeln sei zwar herrlich entspannend, trage aber auch zu weniger Fokus auf die Aufgaben bei.

Fazit

Wenn sich ein Video-Call an den nächsten reiht, kann das viele Leute schnell erschöpfen. So sehr, dass wir uns ab und an eine Pause von dieser schwierigen Kommunikationssituation nehmen sollten. Das kann mit festgelegten „Videopausen“ aber auch mit Videospielen funktionieren. Eine spielerische Abwechslung kann den Arbeitsalltag auflockern und vielleicht sogar ganz neue Möglichkeiten bieten zu kommunizieren.

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